Vom Start-up zum Marktführer in Europa im ersten Geschäftsjahr

Mit der mobilen Ladestation Juice Booster 1 erarbeitet sich die Unternehmung Juice Technolgy AG, Cham/ZG bereits im ersten Geschäftsjahr die Marktführerschaft in Europa bei mobilen 22 kW-Ladecontrollern.


Lesen Sie das Interview mit Christoph Erni, Gründer und Geschäftsführer der Firma Juice Technology AG.



Martina Dudle: Wie ist die Geschäftsidee für Juice Technology entstanden? Christoph Erni: Die Idee, die schliesslich zur Gründung von Juice Technology führte, entstand aus der Not heraus. Im Jahr 2010 bestellte ich mein erstes Elektroauto, und 2013 wurde das Tesla Model S endlich geliefert. Dem Auto lagen zwei Stecker bei, aber keiner davon passte in die Schweizer Steckdosen. Leider fehlte es damals an praktischen und sinnvollen Ladelösungen. Also begann ich selbst zu recherchieren und postete mein erworbenes Wissen über geeignete Kabelsets in einschlägigen Foren. Nach kurzer Zeit wurde ich mit Kaufanfragen konfrontiert. Und so kam es zur Entstehung der Info-Plattform mit Onlineshop www.e-driver.net.

Ich suchte weiter nach einer sicheren und möglichst einfach zu bedienenden Lösung zum Aufladen des Autos. Da war die Idee einer praktischen, nutzerfreundlichen Ladestation geboren, die man einfach überall im Auto mitnehmen kann. Strom ist schliesslich überall vorhanden, man muss ihn nur zugänglich machen. Das war der Schritt zur Gründung der Juice Technology AG.


Martina Dudle: Was waren die grössten Herausforderungen seit Beginn? Christoph Erni: Mit der Idee des portablen Ladegeräts sind wir praktisch aus dem Stand durchgestartet. Wie bei jedem Startup folgten die Herausforderungen auf dem Fusse. Der Eintritt in einen Markt, der gerade erst entsteht, ist immer mit Risiken verbunden, bietet aber auch viele Chancen. Wer Innovationen umsetzt, die viele für technisch unmöglich halten und unbeirrt voranschreitet, verschafft sich einen Innovationsvorsprung und lässt ganz nebenbei auch alle Unkenrufe verstummen.

Selbstredend sind die Anfänge kosten- und zeitintensiv. Der Aufbau eines produzierenden Technologieunternehmens erfordert Investitionen in Entwicklung, Infrastruktur und nicht zuletzt in hochqualifizierte Arbeitskräfte. Die Rekrutierung von erstklassigen, motivierten Mitarbeitenden war und ist dabei die grösste Herausforderung. Wir haben die allerbesten gefunden, und sie ziehen auch nur Spitzenleute an. Diese brauchen wir, um das hohe Tempo zu halten. Kaum ist ein Produkt auf dem Markt, ist die nächste Produktgeneration in der Entwicklung. Jeder Franken wird dabei wieder reinvestiert. Der Markt wartet nicht, Nachahmer treten auf den Plan mit teilweise billigen Fabrikaten, die nur auf dem Papier gleichwertig erscheinen. Unsere Produkte hingegen sind bestätigt normkonform, erfüllen alle erforderlichen Standards und werden in automotive-zertifizierten Produktionsstätten hergestellt.


Martina Dudle: Juice Technology AG hat sechs ISO-Zertifizierungen. Was waren die Herausforderungen bei der Einführung von ISO und wie gelang die Umsetzung?


Christoph Erni: Wir haben ISO 14001 für Umweltmanagement, ISO 50001 für Energiemanagement, ISO 20400 für Nachhaltige Beschaffung, ISO 9001 für Qualitätsmanagement, ISO 19600 für Compliance Management und seit letztem Jahr auch ISO 27001 für Informationssicherheit. Die grösste Herausforderung bei allen Zertifizierungen besteht darin, sie nicht nur zu erreichen, sondern auch zu halten. Das erfordert einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess nach dem Schema „Planen – Umsetzen – Überprüfen – Optimieren“. Dies wiederum bedingt eine entsprechende Sensibilisierung aller Beteiligten und den Einsatz jedes Einzelnen.

Gerade das jüngste Beispiel von ISO 27001 zeigt, wie wichtig, aber auch anspruchsvoll es ist, Massnahmen zu definieren und zu ergreifen, die abteilungsübergreifend und somit im gesamten Unternehmen umgesetzt werden.

Das fängt beim technischen Datenschutz an, also dass Daten von aussen wie von innen vor nicht autorisiertem Zugriff geschützt sind. Das wird etwa durch physische und elektronische Zugangsbeschränkungen erreicht – zum Gebäude, zum Serverraum, zu Dateiverzeichnissen. Die Mitarbeitenden haben keine Administratorenrechte für ihre eigenen PCs und können somit keine Manipulationen am System vornehmen.

Jede Abteilung hat nur beschränkten Einblick auf Serverdaten und jeder Mitarbeitende kann nur die Daten abrufen und bearbeiten, die für seine Arbeit relevant sind. Zentral gesteuerte Updates, regelmässig wechselnder Passwortschutz, Multi-Faktor-Authentifizierung und VPN für auswärtiges Arbeiten sind bei uns Standard. Zusätzlich werden Laufwerke verschlüsselt, damit Daten von einem Laptop-Laufwerk nicht einfach ausgelesen werden können, ein gesichertes WLAN und Backups sind andere unverzichtbare Instrumente.

Ein weiterer Bestandteil sind organisatorische Sicherheitsmassnahmen. Dazu haben wir geregelte Prozesse, wie zum Beispiel die Clear Desk/Clear Screen-Policy oder solche zur Personalsicherheit, implementiert, damit beispielsweise nach einem Austritt keine sensiblen Daten nach aussen dringen und wirtschaftlich weiterverwendet werden können.

Diese Massnahmen sind besonders bei der ersten Umsetzung mit einem bemerkenswerten Aufwand verbunden und verlangen Expertise. Wir sind in der glücklichen Lage, mit Musa Sanli einen Head of IT zu haben, der durch seine frühere Tätigkeit bei einem Finanzinstitut Erfahrung in der Umsetzung von Informationssicherheitsmanagementsystemen hat. Entsprechend professionell konnte er den Zertifizierungsprozess von der Ausarbeitung der Regelungen bis zum Audit durch einen Gutachter von Attesta begleiten.


Martina Dudle: Wo sehen Sie den Mehrwert einer ISO-Zertifizierung?


Christoph Erni: Selbstverständlich können einem Endprodukt nicht ohne Weiteres Qualitätsmerkmale zugeschrieben werden, wenn die Rahmenbedingungen seines Entstehungsprozesses nicht nachweislich den geltenden Standards entsprechen. Statt nur darüber zu reden, setzt man diesen Anspruch in die Tat um, macht ihn mit den ISO-Zertifikaten für alle sichtbar und sorgt so für Transparenz auch gegenüber Kunden und Investoren. Die Zertifizierungen bringen gleichzeitig die Werte zum Ausdruck, für die ein Unternehmen steht. Eine ISO-Zertifizierung ist allerdings vielmehr eine Verpflichtung als eine Auszeichnung.

Junge Branchen, die sich gerade erst etablieren, eröffnen Möglichkeiten für noch unerfahrene Teilnehmer, die viele neue Ideen haben und sich gegenseitig antreiben. Solche Start-ups entwickeln ihre Produkte in hoher Geschwindigkeit, um sie schnell auf den Markt bringen zu können. Für ausführliche Tests fehlt es oft an Zeit und Geld. Das führt leider dazu, dass gerade zu Beginn noch unausgereifte Prototypen beim Kunden ankommen.

Um zu verhindern, dass Produkte auf den Markt kommen, die unausgereift sind oder gar Sicherheitslücken aufweisen, bedarf es daher einer frühzeitigen Regulierung durch Institutionen, die Standards setzen und deren Einhaltung sicherstellen. Deswegen lassen wir unseren Betrieb nicht nur ISO-zertifizieren, sondern sind auch mit zwei Teilnehmern in internationalen Normenkomitees der IEC (International Electrotechnical Commission) vertreten.


Martina Dudle: Gesteigerte Nachfrage am Markt und damit verbundenes Wachstum. Wie gelang die Umsetzung? (u.a. Investitionskredit über swisspeers)


Christoph Erni: Zu Beginn haben meine Frau und ich einiges an Eigenmitteln in das Unternehmen investiert. Damals bestand das Unternehmen erst aus ein paar wenigen Mitarbeitenden, aber es wuchs schnell und für die anstehenden Investitionen wurde neues Kapital erforderlich. Zu unserer grossen Freude fragten zu dem Zeitpunkt unsere Mitarbeiter, ob sie sich mit eigenem Geld am Aufbau der Firma beteiligen könnten. Fast ausnahmslos alle waren von der Idee begeistert und sahen das immense Potenzial von Juice.

Um einen weiteren grossen Schritt in unserer Geschäftsentwicklung zu machen, halfen uns auch Partner wie Swisspeers, um das Wachstum mit einem Investitionskredit noch weiter zu beschleunigen. Ein Jugendfreund hat mich auf Swisspeers aufmerksam gemacht. Was mich bei Swisspeers von Anfang an überzeugte, war die Professionalität und Sachkompetenz der Berater. Als wir unsere Strategie gemeinsam besprochen hatten, hatte ich den Eindruck, dass sie diese sofort verstanden. Ein weiterer Vorteil war die Einfachheit der angebotenen elektronischen Plattform, die auch für jemanden ohne IT-Kenntnisse sehr benutzerfreundlich ist. Der Kredit in Höhe von 550'000 CHF wurde innerhalb von 24 Stunden gesprochen. Darauf stiessen wir am Freitagabend an, und am Montag war das Geld bereits überwiesen. Das hat dem ganzen Unterfangen einen kräftigen Schub gegeben.


Martina Dudle: Welches war die beste Entscheidung Ihrer beruflichen Laufbahn?


Christoph Erni: Wissen Sie, ich glaube nicht, dass man Beruf und Privates im Leben eines Unternehmers wirklich trennen kann. Deshalb: Dass ich den Mut gefunden habe, meine grossartige Frau zu fragen, ob sie mich heiraten will. Sie hat auch allen geschäftlichen Erfolg mitverantwortet, immer mitgetragen, ohne Murren hingenommen, wenn ich zu spät zum Nachtessen gekommen bin, und vor allem hier bei Juice die ersten Jahre präzise, verlässlich und topseriös die ganzen Finanzen geführt!


Martina Dudle: Worauf sind Sie besonders stolz?


Christoph Erni: Juice hat es als junges Unternehmen in kürzester Zeit geschafft, mit den Grossen der Branche zusammenzuarbeiten und ist heute ein gefragter Zulieferer für OEMs, sprich namhafte Automobilhersteller wie Rimac, Daimler, BMW, Stellantis, Audi, Jaguar Land Rover und Hyundai – sei es in der Entwicklung und Produktion, als Tier-1-Supplier für die Serie oder im Aftermarket. Das ist bemerkenswert, denn in der Regel spielen Elefanten mit Elefanten. Das zeigt, wie hochwertig unsere Produkte sind, wie schnell wir bereits mit einem kleinen Team solche herausragenden Entwicklungen realisieren konnten und dass unser eingeschlagener Weg, zum Beispiel mit unserer konsequenten Software-Orientierung, einen Nerv getroffen hat.


Martina Dudle: Was würden Sie einem jungen Unternehmer empfehlen?


Christoph Erni: Der Aufbau einer Firma erfordert Initiative, Leidenschaft und Offenheit. Als Gründer muss man stets bereit sein, die Extrameile zu gehen. Eine gute Ausbildung ist wichtig, aber ein Diplom allein ist noch kein Garant für Erfolg. Statt sich zu sehr auf die Theorie zu versteifen, muss man über die Kompetenz verfügen, sein Wissen in die Praxis umzusetzen. Es braucht auch Kreativität, Menschenkenntnis, Leistungsbereitschaft, Weitblick und eine Prise Nonchalance. Man sollte fähig sein, über den Tellerrand hinaus zu denken, Probleme zu erkennen und aus Erfahrungen zu lernen. Am wichtigsten aber ist der Glaube an die eigene Vision, vom Aufstehen um sechs bis zum Zubettgehen um halb zwei. Wer an Ferien hängt, soll lieber angestellt bleiben.


Martina Dudle: Haben Sie noch abschliessende Worte?


Christoph Erni: Suchen Sie sich immer Partner, die zielorientiert sind und Ihnen Mehrwert bringen. Sieben Sie gnadenlos aus, Mittelmass bringt Sie nicht weiter. Wir machen das mit allen Lieferanten so, sonst hätten wir nicht weltweiter Marktführer mit unseren mobilen Wallboxen werden können. Einer, der so tickt wie wir und uns enormen Mehrwert und viel Know-how gebracht hat, ist Attesta. Wir können ihn vorbehaltlos empfehlen.


Interesse an einer ISO Zertifizierung? Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Gespräch. Martina Dudle Snydr, md@attesta.ch




37 Ansichten